Elternbericht A.

A. besucht seit dem 6. März 2006 die Sonderpädagogische Tagesschule in Zwillikon und wir bestätigen, dass wir seit dem ersten Tag an begeistert sind.

Nach dem missglückten Schulstart vom August 2005 hatte A. einen enormen Rückschritt in seiner Entwicklung gemacht. Vor allem das Vertrauen in seine Umwelt und in seine Fähigkeiten schien überhaupt nicht mehr vorhanden zu sein. Bekannte Situationen und vor allem neue Situationen bereiteten ihm grösste Mühe. Der Alltag von A. ausserhalb vom Elternhaus  war geprägt von häufigen Panikattacken.

Jede noch so kleinste angekündigte Änderung in seinem Kindergartenalltag bereitete ihm schon am Vorabend Sorge und am Morgen verweigerte er das Einsteigen ins Taxi. Von da an musste die Mutter A. fast wöchentlich in den Kindergarten begleiten.

Wenn A. von der Schule nach Hause kommt ist er praktisch immer gut gelaunt. Wenn der Morgen etwas anspruchsvoller war und er vielleicht etwas müde ist, sagt er dies und dann wird entsprechend der Nachmittag angepasst.

Ein ganz schöner Moment war, als A. einige Tage nach Schulstart erzählte, er habe jetzt einen besten Freund in der Schule. Er hat alle Kinder seiner Klasse sehr gern.

A. war früher gegenüber Mitmenschen sehr scheu und grüsste sie nicht. Heute erwidert er fast immer einen Gruss mit "Hoi". Vor allem unsere Nachbarn im Hause grüsst er neuerdings jedes Mal. Früher meidete er den Blickkontakt und grüsste auch ihm vertraute Personen, wie eben z.B. die Nachbarn, nicht.

[Zufälligerweise wohnt eine mir bekannte Schulleiterin im selben Haus und erzählte mir, es sei unglaublich, welche Veränderung A. in dieser kurzen Zeit durchgemacht habe; es sei als ob ein neues Kind da wäre.]

Wir haben den Fernsehkonsum im letzten Jahr gut geregelt, sodass A. nur noch gezielt eine DVD schaut. Kinderkanäle interessieren ihn kaum noch. Es kommt jetzt häufig vor, dass A. an vielen Tagen gar kein Fern mehr schaut. Im Sommer oder an schönen Tagen ist es sowieso kein Thema

Wenn A. im Kopf eine Phantasiegeschichte durchdenkt, rennt er meistens von einer Ecke in die andere, mit flatternden Armen und angespanntem, offenem Mund. Dies kann er ausdauernd bis zu 15 Min. durchspielen. Dies macht er fast täglich, aber nur, wenn er alleine ist. Manchmal, wenn er draussen mit den anderen Kindern spielt, kann man beobachten, wie er am Ort hüpft, mit flatternden Armen und offenem Mund und angespannten Gesichtszügen. [Dieses Verhalten ist häufig bei wahrnehmungsgestörten Kindern zu beobachten.]

Die Hausaufgaben macht A. immer mit der Mithilfe der Mutter. Da er, wie gesagt, manchmal ziemlich "geschlaucht" von der Schule nach Hause kommt, muss man ihn manchmal motivieren, mit den Aufgaben zu starten. A. akzeptiert es, dass er zuerst die Hausaufgaben machen muss und erst dann nach draussen spielen gehen darf. Er ist sehr pflichtbewusst und will seine Aufgaben sehr gut lösen.

A. braucht viel Bestätigung in seinem Alltag. In Problemsituationen ist er stark darauf angewiesen, dass man zu ihm hält und keinen Druck ausübt. Instinktiv haben wir uns auch früher, bevor wir von seiner Wahrnehmungsstörung wussten, immer auf seine Seite gestellt und selten Druck ausgeübt. Heute können wir aber, dank unserem Wissen, noch besser zu ihm halten, ohne uns rechtfertigen zu müssen. A. spürt diese Haltung auch, denn seit der Abklärung bei Herrn Adrian Hofer in St. Gallen sind auch wir sehr viel entspannter. Wir haben den Druck nicht mehr, dass er, wie die Gleichaltrigen, "funktionieren" muss.

A.s Fortschritte sind, seit er zur Schule geht, frappant. Vor allem psychisch wirkt er stabil und ist glücklich. Alle Stresssituationen, welche wir vom Sprachheil- kindergarten her aus kannten, sind abgelegt. Seit dem Schulstart hatte er nie mehr Angst oder Panik. A. hat Vertrauen zu den Lehrern und zu den Kindern. Auch wenn es in der Schule mal laut wird, belastet dies ihn nicht. Früher fühlte er sich immer unwohl, auch wenn er gar nichts damit zu tun hatte.

Auch seine taktilen Fortschritte sind sichtbar. A. schneidet jetzt z.B. alleine seine Käsescheiben am Esstisch ab. Oder wenn er sich ein Joghurt nimmt, bedient er sich alleine im Kühlschrank, reisst den Deckel selber weg und nimmt dann alleine den Löffel aus der Schublade.

Früher mussten wir diese Abfolge zum Teil für ihn übernehmen. All diese Schritte alleine zu bewältigen war für ihn zuviel. Sobald wir ihm sagten, er solle selber den Deckel wegreissen und anschliessend den Löffel aus der Schublade herausnehmen, war er überfordert. Er weinte oder blockte ab. Manchmal machte er zwar alles  selber, aber das nächste Mal bat er uns wieder um Hilfe. Wir wägten unser Handeln ständig ab: "Sollen wir helfen? Sollen wir erklären? Sollen wir vormachen?" etc.) Manchmal wurden wir auch ungeduldig. Heute wissen wir, dass unsere willkürliche Haltung sehr verwirrend für ihn war. Er spürte ja unsere Unsicherheit und unsere Zweifel. Wir fragten uns ständig, ob wir A. zuwenig fördern oder ihn gar verwöhnen. Wir hatten einfach kein wirksames Instrument und hatten kein Vertrauen, dass alles irgendwann mal gut kommen wird. A. war schon immer ein ganz liebes Kind aber sein Frust war allgegenwärtig und bestimmte unseren Alltag.

Seit A. zur Schule geht, kann er bereits nach so kurzer Zeit auf  seine eigenen Resourcen zurückgreifen. Er mutet sich immer mehr selber zu und verlangt immer weniger nach konkreter Hilfe. Er sagt manchmal, dass man bei ihm bleiben soll, falls er nicht weiter kann. Früher machte er praktisch nichts alleine. Er verlangte in allen Situationen nach seiner Mutter. Man konnte ihn nicht motivieren, es selber zu versuchen. Dank dem Affolter-Modell konnte er gewaltige Entwicklungsschritte aufholen. Wunderbar ist, dass er in Alltagssituationen von sich aus sagt: "Tuesch mich bitte füere?" 

A. ist seit dem Schulstart selbständiger geworden und sein Selbstvertrauen ist enorm gewachsen. Wir sind sehr stolz auf ihn. Er hat sich wahnsinnig gemacht.

Wir sind sehr motiviert, das Führen in unseren Alltag einzubauen.

Wir finden es positiv, dass wir mehrmals im Jahr die  Einzelstunden besuchen dürfen. Das motiviert und man kann sich immer besser entwickeln.

Wir sind der festen Überzeugung, dass A. in dieser Schule am richtigen Platz ist. Wir sagen immer, dass diese Schule um A. herum gebaut wurde. Seine Bedürfnisse werden praktisch vollumfänglich abgedeckt. Das Affolter-Modell unterstützt ihn genau dort, wo er am dringendsten Hilfe braucht und die "Folgebehinderungen" u.a. auf psychischer Ebene, welche sich im laufe der Zeit entwickelt hatten, werden immer mehr aufgehoben.

Heute, wo er in Zwillikon zur Schule gehen darf, hat sich der dunkle Schleier gehoben und wir sind wieder eine glückliche Familie. A. ist wieder glücklich.

Für sein Leben wünschen wir ihm, dass er eine Nische finden wird, wo er sich glücklich, zufrieden und realisiert fühlen wird. Wir haben grosses Vertrauen und spüren ganz fest, dass er einen guten Weg gehen wird.

Er darf die Schule als etwas ganz Tolles erleben.

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